1637–1649: Studium, Familie, geteiltes Land
Zeitraum: 1637–1649
Ein Anfang, der rückblickend geschrieben ist
Dieser Zeitraum verlangt einen Vorbehalt, bevor die erste Zeile gelesen wird: Die frühen Teile des Tagebuchs sind nicht am Tag des Geschehens entstanden. Evelyn hat sie später geordnet und ausgearbeitet, und die gedruckte Ausgabe gibt sie in dieser Form wieder. Auch die Datierung folgt der Ausgabe. Wer das mitliest, bekommt nicht weniger, sondern mehr: neben dem Ereignis wird der Abstand sichtbar, aus dem heraus jemand darüber verfügt hat.
Trotzdem bleiben diese Seiten erstaunlich konkret. Ein junger Mann lernt, reist, wird krank, zieht um, sieht öffentliche Zeremonien und hält Begegnungen fest, die ihn geprägt haben. Das Land, durch das er sich bewegt, treibt in diesen Jahren auf den Bürgerkrieg zu, doch das Tagebuch erklärt die Lage nicht von oben. Es zeigt sie darin, wo jemand wohnt, wohin er reisen kann und welche Nachricht ihn wie schnell erreicht.
Worauf beim Lesen zu achten ist
Auffällig ist, wie wenig Evelyn zwischen den Gegenständen unterscheidet. Der Ritt zum kranken Vater und der Umzug in eine neue Unterkunft werden mit derselben logistischen Genauigkeit berichtet: wer aufbrach, von wo, wohin. Das Gefühl steht nicht in der Schilderung des Gefühls, sondern in der Geschwindigkeit und im Ziel. Wer Tagebuch führt, kann daraus etwas mitnehmen, das nichts mit Stil zu tun hat: Die Umstände einer Handlung tragen oft mehr Erinnerung als eine Beschreibung der Stimmung.
Ebenso lohnt die Aufmerksamkeit für Sachen und Orte. Evelyn hält fest, was gebaut, ausgebessert, gefeiert oder gestritten wurde. Eine brauchbare persönliche Aufzeichnung behält etwas von der Welt, die den Eindruck überhaupt erzeugt hat. Und Krankheit erscheint hier weniger als Leiden denn als Unterbrechung: als verlorene Zeit, die einem Studium fehlt.
Frage für das eigene Tagebuch
Was habe ich heute konkret getan, mit wem oder an welchem Ort, und welche Frage ist dabei offen geblieben? Ein Schluss muss nicht erzwungen werden.
Auszüge aus diesem Zeitraum
Kurze Auszüge aus der gemeinfreien Ausgabe, die auf der Führungsseite genannt ist. Ein Auszug, der mitten im Satz endet, ist ein Auszug und kein vollständiger Eintrag. Der englische Wortlaut folgt der Ausgabe, die deutsche Übersetzung ist redaktionell.
22. Januar 1638
I would needs be admitted into the dancing and vaulting schools
Übersetzung: Ich wollte durchaus in die Tanz- und Voltigierschulen aufgenommen werden.
Bildung schließt für Evelyn körperliche Fertigkeiten ein, und die Formulierung verrät den Eigensinn eines jungen Mannes. Ausgabe
13. April 1638
My father ordered that I should begin to manage my own expenses, which till then my tutor had done; at which I was much satisfied.
Übersetzung: Mein Vater ordnete an, dass ich meine Ausgaben künftig selbst führen sollte, was bis dahin mein Hauslehrer getan hatte; darüber war ich sehr zufrieden.
Ein Schritt zur eigenen Verantwortung wird gemeldet, ohne dass ihm eine nachträgliche Lebenslehre angehängt würde. Ausgabe
14. Januar 1639
I came back to Oxford, after my tedious indisposition, and to the infinite loss of my time
Übersetzung: Ich kehrte nach meiner langwierigen Unpässlichkeit nach Oxford zurück, unter unendlichem Verlust meiner Zeit.
Die Krankheit wird vor allem als Unterbrechung des Studiums erfahren, nicht als Gegenstand für sich. Ausgabe
10. Juni 1640
I repaired with my brother to the term, to go into our new lodgings
Übersetzung: Ich begab mich mit meinem Bruder zur Sitzungsperiode, um unsere neue Unterkunft zu beziehen.
Unterkunft und Reise sind wiederkehrende Einheiten, aus denen diese Aufzeichnung gebaut ist. Ausgabe
7. Juli 1640
My brother George and I, understanding the peril my father was in upon a sudden attack of his infirmity, rode post from Guildford toward him
Übersetzung: Mein Bruder George und ich ritten, als wir von der Gefahr erfuhren, in der unser Vater nach einem plötzlichen Anfall seines Leidens schwebte, im Eilritt von Guildford zu ihm.
Der Notfall in der Familie wird mit derselben Genauigkeit über Weg und Tempo berichtet wie eine gewöhnliche Reise. Ausgabe
Ein Essay der TAEONIA-Redaktion. Zitiert wird nur aus gemeinfreien Texten.