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John Woolman: Tagebuch eines Quäkers gegen die Sklaverei

Lebensdaten: 1720–1772 · Aufgezeichnet: Erinnerungen und Reisen aus dem Erwachsenenleben, überwiegend rückblickend geschrieben · Form: geistliches Journal und autobiographischer Bericht

John Woolman war Gewerbetreibender und quäkerischer Prediger im kolonialen Nordamerika des 18. Jahrhunderts. Sein Journal ist kein Kalender aus Wetter, Mahlzeiten und Verabredungen, sondern ein rückblickend verfasster Bericht über Glauben, Erwerb und Reisen. Die Frage, die alles zusammenhält, lautet: Kann eine Entscheidung falsch sein, obwohl die eigene Gemeinschaft sie für selbstverständlich hält? Und was folgt daraus, wenn das Unbehagen nach der Entscheidung bleibt?

Am schärfsten wird diese Frage dort, wo es um Sklaverei geht. Woolman erzählt, wie er eine Urkunde aufsetzen sollte, die zum Verkauf eines versklavten Menschen gehörte, und wie die Anweisung seines Dienstherrn gegen seine eigene Überzeugung stand. Er schreibt sich dabei keine mühelose Reinheit zu. Ein Teil der Kraft dieses Textes liegt darin, dass er eine Entscheidung schildert, die er später als Versagen ansah, und sie mit den alltäglichen Kompromissen des Broterwerbs verbindet. Er verfolgt außerdem die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gewohnheiten, die Sklaverei trugen — auch dort, wo sie bis in den Kreis der Freunde reichten, in dem er selbst lebte.

Eine Einschränkung gehört an dieselbe Stelle, und der Text kann sie nicht selbst aussprechen. Dies ist das Zeugnis eines Gegners der Sklaverei, geschrieben aus einer bestimmten religiösen Tradition heraus. Es ersetzt nicht die Zeugnisse der versklavten Menschen und gibt ihre Stimmen nicht wieder. Wer das Journal liest, liest die Prüfung eines Gewissens, nicht die Geschichte derer, deren Leben von der Sklaverei bestimmt wurde.

Als Prosa lebt der Text weniger von Szenen als von wiederholter Prüfung. Wendungen über die Bewegung seines Gemüts und den Zustand seines Herzens kehren wieder, ob Woolman von Andachtsversammlungen, von Reisen, von der Heirat, von Krankheit oder vom Handel erzählt. Der Rhythmus ist langsamer als der eines gewöhnlichen Tagebuchs, weil auf einen Vorfall oft mehrere Sätze folgen, die nach seiner Bedeutung fragen. Diese Wiederholungen sind kein Schmuck, sondern das Vokabular, in dem Woolman Verantwortung überhaupt denken konnte. Man kann seine religiöse Sprache glätten und den Text wie moderne Ratgeberprosa klingen lassen; dann bleibt allerdings ein anderes Buch übrig als das, das er hinterlassen wollte.

Ein Hinweis zu den Daten gehört an den Anfang jeder Lektüre. Woolman zählt die Monate auf quäkerische Weise, und vor der britischen Kalenderreform von 1752 war der erste Monat der März. „Neunter Monat 1743“ heißt also November 1743 und nicht September. Hinzu kommt, dass britische Daten vor 1752 julianisch sind, also alten Stils, und nicht auf denselben Tag fallen wie das gleichlautende gregorianische Datum. Auf diesen Seiten steht deshalb die Form „5. Tag des 9. Monats 1743 [5. November, alter Stil; julianisch]“. Das ist umständlicher als eine stille Umrechnung, behauptet aber nichts, was die Quelle nicht hergibt.

Ebenso wenig ist das Journal eine lückenlose Folge datierter Tageseinträge. Viele Abschnitte sind nach Kapiteln und erinnerten Zeiträumen geordnet; nur ein Teil nennt einen verlässlichen Tag. Die verwendete Ausgabe versammelt das Journal zudem gemeinsam mit anderen Schriften und mit einer Einleitung des Herausgebers, sodass die Grenzen des Journals zuerst bestimmt werden müssen. Diese Rubrik ordnet den Text deshalb nach Zeiträumen und zeigt nur Auszüge, deren Datum in der Ausgabe gedruckt steht. Eine Seite, die jedem Absatz einen Kalendertag zuwiese, erfände eine Chronologie, die es in der Quelle nicht gibt.

Für die eigene Praxis liegt der Gewinn weniger in Woolmans Antworten als in seiner Reihenfolge: zuerst die Entscheidung benennen, dann die Erklärung, die man sich dafür zurechtlegt, und erst danach prüfen, was diese Erklärung auslässt. Dazu gehört die Frage, wem eine Gewohnheit genützt und wen sie belastet hat, und was nach dem Bemerken des Widerspruchs tatsächlich geschah. Zur Genauigkeit gehört schließlich auch das Gegengewicht: Der Rückblick lässt vergangene Entscheidungen geschlossener wirken, als sie sich im Moment angefühlt haben.

Das Tagebuch nach Zeiträumen

Wie das Tagebuch geschrieben ist

Ton und Stimme

Bekennend, abwägend, moralisch streng und ausdrücklich religiös. Viele Vorfälle werden ein zweites Mal betrachtet, diesmal im Licht des Gewissens. Auch der Widerspruch gegen Sklavenhalter wird meist in der zurückhaltenden Schilderung eines Gesprächs vorgetragen; die milde Form ist kein mildes Urteil.

Wiederkehrende Wendungen

„I felt“, „my mind“, „a concern“ und „Friends“ kehren wieder, wo der Erzähler Verhalten, Gemeinschaft und innere Prüfung miteinander verbindet. „Friends“ meint dabei zugleich die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde, und Einschränkungen wie „I believe“ oder „appeared“ begrenzen die Sicherheit des Erzählers — beides sollte eine Übersetzung nicht wegräumen. Die vielen Großbuchstaben gehören zur Typographie der historischen Ausgabe und beweisen für sich genommen keine Betonung.

Häufige Themen

Gewissen und Handel, Versklavung, Andachtsversammlungen, Pflichten in der Familie, Krankheit, Reisen, Arbeit, Einfachheit und die Verpflichtung gegenüber anderen. Das ist eine Beschreibung wiederkehrender Themen und keine Auszählung ihrer Häufigkeit.

Veränderung im Verlauf

Der Anfang deutet Kindheit und frühe Fehler rückblickend. Die späteren Kapitel folgen Reisen, öffentlichem Zeugnis und einer immer deutlicheren Auseinandersetzung mit der eigenen materiellen Verstrickung. Es handelt sich um eine Verschiebung des Gegenstands, nicht um den Beweis einer geradlinigen moralischen Besserung.

Einschränkung

Dies sind redaktionelle Lesarten der genannten Ausgabe, keine psychologischen Befunde und keine Behauptung, jede erhaltene Seite sei geprüft worden.

Für das eigene Tagebuch

  • Welche gewohnte Entscheidung der vergangenen Woche habe ich getroffen, ohne sie zu prüfen, und wem hat sie genützt, wen hat sie belastet?
  • Welche Erklärung lege ich mir für etwas zurecht, das ich weiterhin tue?

Die Ausgabe und die Rechte

Ausgabe. The Journal, with Other Writings of John Woolman. Die historische Ausgabe enthält eine Einleitung von Vida Dutton Scudder; weitere Originalschriften sind im selben E-Book gesammelt.

Was die Ausgabe umfasst. Das Gutenberg-E-Book mischt das Journal mit anderen Schriften; vor einer Veröffentlichung als Tagebuch muss „A Journal of the Life and Travels of John Woolman“ daraus abgegrenzt werden. Der Bericht enthält sowohl undatierte Erinnerungen als auch ausdrücklich datierte Reisen. Alle zehn ausgewählten Auszüge dieser Rubrik hängen an Daten, die im Journal gedruckt stehen; viele andere Episoden lassen sich keinem Tag zuordnen. Auf diesen Seiten steht kein vollständiger Tagebuchtext.

Der Verfasser hat lange genug vor unserer Zeit geschrieben, um urheberrechtlich frei zu sein, und die genannten Herausgeber sind vor mehr als siebzig Jahren gestorben. Das ist eine Prüfung auf Ausgabenebene und keine weltweite Rechtsgarantie: Ausgabe, Land und jedes moderne redaktionelle Beiwerk sind erneut zu prüfen, bevor mehr als kurze Auszüge erscheinen. Für die Dateien von Project Gutenberg gelten dessen eigene Nutzungsbedingungen.

Ein Essay der TAEONIA-Redaktion. Zitiert wird nur aus gemeinfreien Texten.

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